Bio-regionale Landwirtschaft soll Emotionen auslösen

„Politik im Wirtshaus“ nannte Gisela Sengl die Veranstaltung der Staudengrünen in Fischach. Hautnah konnten interessierte Bürger und Bürgerinnen mit der Landtagsabgeordneten und agrarpolitischenSprecherin der grünen Fraktion im Bayer. Landtag über Landwirtschaft diskutieren.
Sie selber führt zusammen mit ihrem Mann in ihrer oberbayerischen Heimat einen landwirtschaftlichen Biobetrieb der hauptsächlich Gemüse anbaut und regional vermarktet.

Begrüßt wurde Gisela Sengl von der Ortssprecherin der Grünen Marktgemeinderätin Christine Disse-Reidel. Angelegt war der Abend in den Erkstuben in Fischach/Willmatshofen als ein moderiertes Interview über die Agrar-Subventionen als den größten Posten im EU-Haushalt. Sengl wies darauf hin, dass 40% des EU-Haushaltes in die Landwirtschaft fließt, in Euro rund 400 Milliarden in den letzten sieben Jahren. Die Agrarförderung wurde eingeführt, um in den Zeiten der Lebensmittelknappheit nach dem 2. Weltkrieg, schnell und günstig Lebensmittel zu produzieren. In den heutigen Zeiten des Überflusses, wo ca. 30% der Lebensmittel weggeworfen werden, sollte die Verteilung der Agrarsubventionen überdacht werden. Sengl hierzu: „Die Gelder müssen in der Landwirtschaft bleiben. Grundsätzlich sollten sollte nicht allein die Fläche subventioniert sondern kleinere Landwirtschaften unterstützen werden, um eine Vielfalt und Regionalität zu erhalten“.

Bereits nach den ersten Fragen von Moderator David Schrupp-Heidelberger an Gisela Sengl kamen aus den Reihen Anwesenden, darunter sowohl Bio- als auch konventionelle Landwirte, die Themen wo ihnen der Schuh drückt. Ausufernde Bürokratie, z.B. in der Tierhaltung wurde genannt. „Von der Geburt bis zur Schlachtung muss alles lückenlos dokumentiert werden und viele oft praxisferne Auflagen erfüllt werden“ meinte einer der Bauern. „Dies sind die Folgen der BSE-Krise, weil damals Tiermehle an Pflanzenfressern verfüttert wurden“, erwiderte Gisela Sengl.

Auf die Frage warum das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ notwendig war, antwortete Sengl „das jetzt für Artenschutz gehandelt werden muss“ in ein paar Jahren oder Jahrzehnten ist dies zu spät. Sie betont, dass wir durch unsere Landwirtschaft in einer Kulturlandschaft leben und bei der Bewirtschaftung an einigen Punkten umgedacht werden muss. Das Volksbegehren hat die ersten Schritte in diese Richtung vorgeben. In vielen Bereichen ist die Landwirtschaft auf diesem Weg, die gesetzliche Forderung das 10% der Flächen Blühflächen sein sollen, wird heute schon zum Großteil umgesetzt. In ganz Bayern sind bereits heute 6% der Flächen Blühlandschaften. Der erhöhte Einsatz von Pestiziden gefährdet die Artenvielfalt. Allerdings werden Pestizide nicht nur in der Landwirtschaft genutzt, sondern auch von gewerblichen Betrieben oder in Privatgärten.

„Die Landwirtschaft mit ihrem produzierten Lebensmittel müssen wieder mit Emotionen verbunden werden, es sollte eine Botschaft mit dem Lebensmittel assoziiert werden, wie Heimat“, fordert Sengl. Deutschland ist ein „versauter Markt“ in dem der Preis und nicht die Qualität die Nachfrage regelt. 86% des Marktes wird von vier Supermarktkonzernen beherrscht, die wiederum das Angebot und die Nachfrage an Lebensmitteln regeln. Aus diesem Grund kooperieren inzwischen Bio-Verbände mit den Konzernen.

Die EU Ökoverordnung legt die Mindeststandards für die Biolandwirtschaft fest, diese gelte EU weit. In Deutschland und in einigen anderen europäischen Ländern haben sich einzelne Biolandwirte in Verbänden zusammengeschlossen, die sich höhere Standards auferlegt haben. Das Ideal wäre eine bio-regionale Landwirtschaft.

Zudem fordern die Grünen, dass in das Thema ökologischer Landbau als verpflichtender Inhalt in der Ausbildung gelehrt werden soll, diese wurde seit 1994 nicht mehr angepasst.
Mit dem Volksbegehren erhielt die Landwirtschaft wieder die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Die Landwirtinnen und Landwirte erhalten unsere Kulturlandschaft und somit unsere Vielfalt an Nahrung und Natur.

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